Aktuelles

Philippinen: Frieden auf Sendung – Medien gegen Extremismus und Gewalt

Im Rahmen des Online-Dossiers "Gewalt vorbeugen - das geht" berichtet der ZFD auf seiner Webseite von unserer Arbeit auf der philippinischen Insel Mindanao. Der Fokus liegt auf Kooperationsprojekten des forumZFD mit lokalen Organisationen im Bereich Friedensjournalismus.

Neue Kurse zur Zivilen Friedens- und Konfliktarbeit

Köln, 13.10.2017. Die Akademie für Konflikttransformation im forumZFD hat ihr neues Programm für 2018 veröffentlicht.

Kein Jamaika ohne Peace!

Die Mitgliederversammlung des forumZFD formuliert Erwartungen an die Koalitionsverhandlungen für die neue Bundesregierung.

Hochaktuell und absolut verdient. forumZFD gratuliert ICAN zum Friedensnobelpreis 2017

"Die Verleihung an die internationale Kampagne für ein Atomwaffenverbot rückt eine hochaktuelle Problematik in den Blickpunkt der Öffentlichkeit." erklärt forumZFD-Vorstand Oliver Knabe.

Abschied von einem streitbaren Politker

Zum Tod von Heiner Geißler erinnert der Gründungsvorsitzende des forumZFD, Heinz Wagner, an einen streitbaren Politiker und frühen Unterstützer des Zivilen Friedensdienstes.

Zivile Konfliktbearbeitung und neue Theorien der Friedensforschung

Prof. DDr. Wolfgang Dietrich, Friedensforscher an der Universität Innsbruck, referiert am 13. September um 19:30 Uhr im Friedensbildungswerk, Köln.

Dokumentation zum Fachgespräch: Eine neue Städte-Agenda, auch für Köln?

Am 10. Mai 2017 fand im Studienhaus der Kölner Volkshochschule ein Fachgespräch über die Umsetzung der New Urban Agenda und der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung auf lokaler Ebene statt. Dabei stand das Thema "inklusive und sicher Städte" im Fokus. Eine nun veröffentlichte Dokumentation fasst die Ergebnisse zusammen.

Deutschland bleibt eine Großbaustelle in Sachen Nachhaltigkeit

Elf zivilgesellschaftliche Verbände und Netzwerke veröffentlichen Bericht zum Zustand nachhaltiger Entwicklung in Deutschland. Sie fordern Veränderungen von der künftigen Bundesregierung und dem neuen Bundestag.

Volles Haus beim ersten Kölner Nachhaltigkeitstalk

Wie wollen die Parteien die globale Nachhaltigkeitsagenda in der nächsten Legislaturperiode umsetzen? Und welche Schwerpunkte wollen die Kölner Bundestagsabgeordneten dabei legen? Diese Fragen standen am Dienstag beim Nachhaltigkeits-Talk in der Alten Feuerwache in Köln im Mittelpunkt.

Bonner Friedenstage 2017

Das forumZFD lädt gemeinsam mit insgesamt 13 Organisationen des Koordinationskreises der Bonner Friedenstage zu vielfältigen Veranstaltungen vom 1. bis 30. September 2017 ein.

Nachhaltigkeits-Talk mit Kölner BundestagskandidatInnen am 29. August 2017

Zusammen mit dem Bündnis kommunaler Nachhaltigkeit Köln und dem Verein KölnAgenda organisiert das forumZFD eine Podiumsdiskussion zur der Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung aus Bundesebene und in Köln.

ZFD kritisiert Inhaftierung von Steudtner in der Türkei

Bonn, 18.07.2017. Das Konsortium Ziviler Friedensdienst kritisiert die Verhaftung des Menschenrechtlers Peter Steudtner in der Türkei und fordert seine sofortige Freilassung. Der ZFD bittet auch die Bundesregierung, alle verfügbaren Kräfte einzusetzen, um die sofortige Freilassung Steudtners zu erwirken.

Neuss: Friedensläuferinnen und -läufer trotzen dem Regen

200 Kinder und Jugendliche des Marie-Curie-Gymnasiums laufen für Vielfalt und Frieden beim 3. Neusser Friedenslauf

Konferenz in Berlin: "Nachhaltige Entwicklung braucht Demokratie"

Das forumZFD richtet als Teil der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung mit elf anderen zivilgesellschaftlichen Verbänden und Netzwerken die Konferenz "Nachhaltige Entwicklung braucht Demokratie" aus.

forumZFD auf dem 22. Deutschen Präventionstag in Hannover

Die 3.000 Besucherinnen und Besucher von Polizei, Behörden und sozialen Trägern informierten sich auf dem Präventionstag in Hannover auch über das Programm zu Kommunaler Konfliktberatung des forumZFD.

Auszeichnungen
  • Gustav-Heinemann-Bürgerpreis 1997
  • Göttinger Friedenspreis 2005
  • Friedenspreis Sievershäuser Ermutigung 2014
Kontakt

Forum Ziviler Friedensdienst e.V.
Am Kölner Brett 8, 50825 Köln

Tel.: 0221 91 27 32 - 0
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Ansprechpartner

Sven Reuter

Referent Südostasien

Abteilung Projekte und Programme
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E-Mail: 
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Eskalation auf den Philippinen: Hintergründe zum Abbruch der Friedensverhandlungen

Gebrochene Waffenruhe und „kompromissloser Krieg“ — die Fronten zwischen der Regierung Duterte und kommunistischen Rebellen sind verhärtet. Im Interview erklärt Wolfgang Dörner, Programmleiter des forumZFD auf den Philippinen, welche Faktoren zur Eskalation der Lage beigetragen haben könnten und wie sie sich auf das Leben der Bevölkerung und die Friedensarbeit in der Region auswirkt.

Am Dienstag, den 7. Februar 2017 rief der philippinische Präsident Rodrigo Duterte einen „kompromisslosen Krieg“ gegen die kommunistischen Kämpfer im Land aus. Kurz zuvor hatte die plötzliche Aufhebung der Waffenstillstände bereits zum Abbruch der Friedensverhandlungen geführt.

Die Gespräche mit der Maoistischen Kommunistischen Partei der Philippinen (CPP) und deren bewaffnetem Flügel (New Peoples Army, NPA) hatte Präsident Duterte unmittelbar nach seinem Amtsantritt im Sommer 2016 neu angeschoben. Nach drei Verhandlungsrunden auf hoher Ebene in Oslo und Rom schien sich die Beziehung zwischen der Partei und der Regierung unter Duterte zunächst zu verbessern. Für die Dauer der Verhandlungen hatten beide Seiten als Zeichen guter Absichten einseitige Waffenstillstände ausgesprochen.

Welches Licht wirft die Eskalation auf die Regierung Duterte?

Wolfgang Dörner: Mit seinen drastischen Worten und Maßnahmen wird Präsident Duterte als praktisch, unkonventionell und vor allem als nicht-dem-Establishment-zugehörig wahrgenommen. Er kann sich weiterhin auf die Unterstützung der breiten Bevölkerung verlassen. In den öffentlichen Diskursen der letzten Monate waren mächtige, gut etablierte Eliten zwar nicht zu vernehmen, 'hinter den Kulissen' könnten sie dennoch ihre ökonomischen und politischen Interessen geltend gemacht haben, um die Friedensverhandlungen zu stören.

Präsident Duterte hat unmittelbar nach den Wahlen große Ankündigungen für den Friedensprozess mit den linken Gruppierungen gemacht. Das hat Hoffnungen und Erwartungen geweckt.

Ein Teil dessen war sein Versprechen, alle politischen Gefangenen frei zu lassen. Von insgesamt etwa 400 Gefangenen sind bis jetzt nur wenige Beraterinnen und Berater freigelassen worden, die direkt an den Friedensverhandlungen beteiligt waren. Eine Erklärung für die wenigen Entlassungen könnte sein, dass ein Druckmittel für die Verhandlungen gebraucht wurde: Die Gefangenen könnten einen 'Faustpfand' darstellen, der nicht ohne größere Errungenschaften Preis gegeben werden soll.

Ein anderer Grund könnte der Versuch sein, das philippinische Militär (Armed Forces of the Philippines – AFP) zu beruhigen, welches wiederholt eine entscheidende Rolle in den politischen Entwicklungen des Landes gespielt hat. Viele der Soldaten waren zuvor unter Einsatz ihres Lebens an der Festnahme der Gefangenen beteiligt gewesen. Demnach ist nicht zu erwarten, dass das Militär der Wiederfreilassung zustimmt.

Wie kam es zur Aufhebung der Waffenstillstände?

Wolfgang Dörner: Beide, das philippinische Militär und die NPA, haben die jeweils andere Seite beschuldigt, die eigenen Erklärungen nicht einzuhalten. Tatsächlich sind – während die Verhandlungen Fortschritte zu machen schienen – gewaltsame Vorfälle passiert und Menschen getötet worden. Es sieht so aus, als wäre es für beide Seiten nicht leicht gewesen (oder nicht wirklich gewollt), die Waffenruhe vor Ort umzusetzen. Möglicherweise ist dies Ausdruck einer Spaltung zwischen Führungsebenen und Kämpfenden. Darüber hinaus verdächtigten die beiden Seiten sich gegenseitig, den Waffenstillstand für strategische Vorbereitungen zukünftiger Kampfhandlungen auszunutzen, wie zum Beispiel fortlaufende Militarisierung und Truppenverlegungen in 'Gebiete des anderen'.

Friedensdemonstration auf Mindanao

Welche unmittelbaren Folgen gibt es für die Bevölkerung?

Wolfgang Dörner: Generell ist die Sicherheitslage für die breite Bevölkerung und besonders in urbanen Gegenden, kaum verändert. Diejenigen, die am meisten unter den bewaffneten Auseinandersetzungen zu leiden haben, sind die Bewohner entlegener Gebiete, wo die Kämpfe tatsächlich stattfinden. Dort leben indigene Völker und so genannte 'Siedler', die oft schon vor Gegenrationen aus den dicht besiedelten Städten im Norden des Landes eingewandert sind.

Die Bevölkerung in den entlegenen Gebieten ist ökonomisch benachteiligt und oft über Jahrzehnte von staatlichen Institutionen vernachlässigt und unterversorgt worden. Die arme Bevölkerung bietet fruchtbaren Boden für ideologische Lehren und die Rekrutierung durch die NPA. Und sie gerät leicht zwischen die Fronten: Gemeinschaften werden zeitweise von beiden, dem Militär und der NPA, beschuldigt, die jeweils andere Seite zu unterstützen. Das führt zu gewaltsamen Vorfällen und zur Vertreibung ganzer Dörfer.

Auch wenn es während der letzten Monate eine leichte Entspannung dieser Dynamiken gegeben haben mag, kann erwartet werden, dass die Übergriffe im Hinterland mit dem Ende der einseitigen Waffenstillstandserklärungen auf beiden Seiten und dem Stillstand der Friedensverhandlungen wieder zunehmen werden. Bereits in den ersten Tagen nach der Ausrufung des kompromisslosen Kriegs ist von militärischen Auseinandersetzungen und Vertreibungen von Zivilisten in verschiedenen Teilen von Mindanao berichtet worden.

Gibt es Aussicht, dass die Gespräche bald wieder aufgenommen werden und der Waffenstillstand wieder hergestellt wird?

Wolfgang Dörner: Während Teile der linken Gruppierungen ihre Bereitschaft bekräftigt haben, die Gespräche fortzusetzen, sind die Aussichten gerade eher düster. Präsident Duterte hat eine Wiederaufnahme der Verhandlungen ausgeschlossen, solang es keine (nicht näher definierten) 'zwingenden Gründe' dafür gibt.

Ein Hoffnungsschimmer kann in der Unterstützung der Friedensprozesse durch die breite Bevölkerung und auch einiger Politiker gesehen werden.

Wie wirkt sich die zunehmende Gewalt auf die Arbeit des forumZFD in Mindanao aus?

Wolfgang Dörner: Wir arbeiten vor allem in der Region Caraga mit Partnerorganisationen zusammen, die sich um die Belange und Bedarfe der indigenen Bevölkerung kümmern. Letztes Jahr wurden in dieser Region einige Führer indigener Gruppen umgebracht. Es gab zwar keine direkte Verbindung zwischen den Opfern und den Partnerorganisationen des forumZFD. Aber während der folgenden Phase starker Spannungen und erhöhter öffentlicher Aufmerksamkeit wurden Mitglieder der Organisationen als Unterstützer der NPA bezeichnet. Derartige Zuschreibungen können unter den gegebenen Bedingungen sehr gefährlich sein und betroffene Personen haben von der Teilnahme an Veranstaltungen, einschließlich einiger Workshops des forumZFD, Abstand genommen.

Wir arbeiten nicht direkt in Gegenden, wo Kämpfe stattfinden. Aktivitäten mit unseren Partnerorganisationen veranstalten wir an sicheren Orten in der Hauptstadt der Region und in urbanisierten Gebieten. Dennoch treffen wir vermehrt Vorkehrungen; relevante Informationen holen wir aus verschiedenen Quellen ein. Unsere gemeinsame Arbeit wird aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen gebremst. Teilnehmende an den Aktivitäten müssen sich vorsichtiger bewegen, da sie sich beobachtet und zuweilen auch bedroht fühlen.

Auf Mindanao fördert das forumZFD unter anderem gewaltfreie Berichterstattung.

Welchen Beitrag kann das forumZFD auf den Philippinen zum Friedensprozess leisten?

Wolfgang Dörner: Eine Unterstützung des neu gestarteten Friedensprozesses seitens des forumZFD könnte in ähnlicher Weise geschehen, wie wir es auch beim Bangsamoro-Friedensprozess getan haben. Zum Beispiel können wir Themen behandeln, die sonst leicht beiseite geschoben und vernachlässigt werden. Diskussionsveranstaltungen oder 'Runde Tische', die in so wenig politisierender Atmosphäre wie möglich stattfinden (z.B. im akademischen Bereich), können die betroffenen Gruppen einbinden und so ihren Stimmen und Besorgnissen Gehör verschaffen. Wir werden die Entwicklungen in den nächsten Monaten genau beobachten, um sicherzustellen, dass wir mit unseren Beiträgen keine falschen Hoffnungen schüren und die Enttäuschungen dadurch vergrößert werden. In jedem Fall kann es sinnvoll sein, den Informationsfluss zu verbessern, sofern es Diskukssionen, Verhandlungen und Vereinbarungengeben wird.

Die Absicht, zum formellen Friedensprozess beizutragen und ihn besser mit der breiten Bevölkerung in Verbindung zu bringen, wird ohne einen formellen Friedensprozess gegenstandslos. Der Fokus der Arbeit des forumZFD in der Region geht jedoch über die Friedensgespräche, die sichtbarer sind und international verfolgt werden, hinaus.

Wir setzen die Ziele für unsere konkrete Arbeit so, dass die grundlegenden Ursachen der Konflikte angegangen werden. Dabei geht es um die Stärkung schwach repräsentierter Gruppen, das Einbringen von Themen in die öffentlichen Diskurse und die Stärkung bereist existierender Mechanismen der Konflikttransformation, sodass auf lange Sicht lokale betroffene Gruppen bei der Einflussnahme auf nationale Politiken unterstützt werden.

Die jüngsten Entwicklungen könnten Möglichkeiten eröffnet haben, um den öffentlichen Diskurs zu Themen zu stärken, die für einen dauernden Frieden relevant sind.

Das forumZFD auf den Philippinen

Wolfgang Dörner und sein Team aus lokalen und internationalen Fachkräften engagieren sich auf Mindanao an drei Projektstandorten in Butuan, Davao und Cotabato. Ziel ist es, friedenspolitisch engagierte Organisationen und Akteure zu unterstützen und miteinander zu vernetzen. Die Bevölkerung wird dabei unterstützt, die Kultur der Gewalt und Stigmatisierung zu überwinden. Mit seiner Arbeit auf den Philippinen stärkt das forumZFD Medienkompetenzen und Friedenserziehung und vermittelt Methoden gewaltfreier Konfliktbearbeitung. Als allparteilicher Akteur arbeitet es sowohl mit staatlichen Institutionen als auch zivilgesellschaftlichen Organisationen und Medienvertretern zusammen.

forumZFD vor Ort

Weitere Informationen zum Programm des forumZFD auf den Philippinen finden Sie unter http://philippines.forumzfd.org/ (Englisch)

Ansprechpartner: